Wakamatsu Jōtarō

Jōtarō Wakamatsu (1935-2021) war ein japanischer Dichter und Essayist aus der nordöstlichen Region Tōhoku, dessen Werk aus den Erfahrungen des Krieges, der sozialen Ausgrenzung und der Umweltkatastrophen seiner Heimat hervorging.
Seit seinem Debüt Der Nachtwald (1961) entwickelte er eine Lyrik zwischen leiser Intimität und zorniger Anklage, in der sich persönliche Erinnerung mit kollektiver Geschichte, Liebe mit Trauma, Natur mit Gewalt verbindet.
Früh kritisierte er die Atompolitik Japans, reiste 1994 nach Tschernobyl und warnte in Gedichten und Essays vor einem GAU in Fukushima – eine literarische Prophetie, die 2011 tragische Realität wurde.
Werke wie Der grenzüberschreitende Nebel, Aufstand der unterjochten Nordbarbaren und das Gedicht »Die von Göttern fortgezauberte Stadt« thematisieren Kolonialgeschichte, Diskriminierung, Entwurzelung und das Schweigen nach der Katastrophe.
Seine Lyrik ist eine poetische Form des Widerstands: gegen staatliche Gewalt, gegen das Vergessen, gegen die Sprachlosigkeit angesichts des Unsagbaren. Sie gibt jenen eine Stimme, die nicht gehört werden – und tut dies mit ethischer Klarheit, poetischer Kraft und unverbrüchlichem Vertrauen in das Wort.

 

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