Glück allein

Kurzgeschichten von

Behçet Çelik

 

Aus dem Türkischen übersetzt von

Christel Schütte

Eine Hausfrau nutzt die Abwesenheit ihrer Familie, um durch die Stadt zu bummeln, und begegnet nicht nur ihrer Vergangenheit, sondern auch einer Möglichkeit, ein wenig anders zu leben. Zwei junge Männer gehen zum Bahnhof, um dort einsamen Reisenden zum Abschied zu winken. Die Fröhlichkeit junger Arbeiterinnen im Werk nebenan bringt einen einsamen Mann dazu, für einen jüngeren Freund den Chef zu spielen und um die Hand eines dieser Mädchen anzuhalten. Der gute Freund ist so besorgt um den Erzähler, dass dieser nicht weiß, wie er ihm sein Bedürfnis nach Alleinsein erklären soll. Wie kann man eine politische Versammlung verlassen, ohne in Verdacht zu geraten, der Spitzel gewesen zu sein, wenn gleich danach die Polizei aufkreuzen sollte? Zwei Freunde spielen die Erben eines verfallenden Landhauses und spinnen eine Geschichte, die im krassen Gegensatz zu der Bodenspekulation in der Gegend steht. Aus einer kleinbürgerlichen Hochzeit fliehen zwei Freunde in die Kneipe nebenan, die dafür geschaffen erscheint, alten Freunden der Bräute zu helfen, ihren Kummer zu ertränken.
   Behçet Çelik schafft eine intime Atmosphäre, in der wir in unmittelbarer Nähe seiner Figuren sind, ohne uns wie Eindringlinge zu fühlen.

 

Behçet Çelik wurde 1968 in Adana in der Südtürkei geboren. Seine ersten Texte erschienen 1986 in der Lokalzeitung Yeni Adana, seine erste Kurzgeschichte ein Jahr später in der traditionsreichen Istanbuler Zeitschrift Varlık. Bereits sein Jurastudium in Ankara war von einer regen Teilnahme am literarischen Leben um die Zeitschriften Yazılı Günler und Virgül begleitet. Mit bisher erschienen acht Bänden bildet die Gattung Kurzgeschichte Çeliks zentrales Betätigungsfeld in der Literatur, gefolgt von Romanen und Essays.

 

Christel Schütte entwickelte Interesse an der türkischen Sprache und Literatur während ihres Aufenthaltes in Istanbul, wo sie 1983-1986 als Lehrbeauftragte an der Universität Marmara tätig war. Auch in dieser Zeit veröffentlichte sie ihre ersten literarischen Übersetzungen in der Istanbuler Zeitschrift Bizim Almanca.
Für Schütte gehört das Übersetzen in beiden Richtungen, Türkisch – Deutsch und Deutsch – Türkisch, zum Berufsalltag. Sie ist seit 2005 Mitglied im Deutschen Übersetzerverband (VdÜ).  Neben vielen einzelnen Artikeln zeichnet Christel Schütte als Übersetzerin folgender literarischen Werke aus dem Türkischen: Das Lied des Meeres, Erzählungen von Erendiz Atasü; Gamba, Roman von Cemil Kavukçu; Die magische Kappe, Roman von Fatih Erdoğan; Der einsame Rebell, Novelle von Ömer Seyfettin; Stadtbriefe (Arbeitstitel), Essays von Ahmet Rasim.

 

Glück allein enthält eine Auswahl von dreißig Erzählungen aus sieben Sammlungen, die zwischen 1992 und 2015 in Buchform erschienen. Sie erhielten 1989, 2008 und 2011 drei prominente Preise, die in der Türkei im Genre Kurzgeschichte verliehen werden. Nach Übersetzungen einzelner Texte ins Englische und Niederländische stellt der vorliegende Band eine erste Veröffentlichung Çeliks im deutschen Sprachraum dar.